Neuerscheinungen
Arbeitsgemeinschaft für vergleichende Hochgebirgsforschung e.V.
H. Kreutzmann, T. Watanabe (Eds.) Mapping Transition in the Pamirs Changing Human-Environmental Landscapes Series: Advances in Asian Human-Environmental Research
1st ed. 2016, XV, 274 p. 100 illus., 80 illus. in color Springer
ISBN 978-3-319-23197-6 (Print) ISBN 978-3-319-23198-3 (Online)
Vorwort
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Mit   Schwerpunkt   auf   den   Pamir   wird   in   diesem   Buch   ein   umfassender   Überblick   über   die   jüngste Entwicklung    in    der    abgelegenen    Gebirgsregion    geboten.    Wegen    seiner    Randlage    im    gebirgigen Umfeld    blieb    der    Pamir    im    Großen    und    Ganzen    unbeachtet,    als    Nahtstelle    zwischen    Süd-    und Zentralasien     wird     er     jedoch     wahrgenommen.     Von     der     Kolonialzeit     bis     heute     gab     es Auseinandersetzungen    um    die    Erfassung    und    Verortung    des    Gebietes.    Im    Buch    werden    auf Feldarbeiten   basierende   Beiträge   zusammengestellt,   die   eine Auswahl   von   Sichtweisen   auf   den   Pamir leisten,   welche      die   Umgestaltungen   und   die   Übergänge   sowohl   in   der   Post-Sowjet-Gesellschaft   als auch   in   Afghanistan   und   Pakistan   verdeutlichen.   Die   grenzübergreifend   vergleichbaren   ökologischen Umweltbedingungen   bieten   in   einer   Reihe   von   Feldstudien   die      generelle   Basis   zur   Analyse   der Entwicklungsverläufe    mit    dem    Ziel,    bestimmte    Aspekte    der    regionalen    Entwicklung    besonders herauszustellen. In englischer Sprache.
Bestimmte   Regionen   der   Welt   bekommen   dann   ein   gewisses   Maß   an   Aufmerksamkeit,   wenn   geopolitische Interessen   aufeinanderprallen,   ernste   politische   Krisen   auftreten,   und/oder   sie   nach   Naturkatastrophen      eine   kurze Zeit   lang   Zuwendung   und   humanitäre   Hilfe   erhalten.   Die   Region   des   Pamir-Knoten   (Gebiet   im   Grenzbereich   von Tadschikistan,   Afghanistan,   Westchina   und   Nordpakistan)         stellt   einen   solchen   Krisenherd   in   der   Übergangszone zwischen   Zentral-   und   Südasien   dar.   Während   der   Kolonialzeit   war   sie   der   Schauplatz   des   “Großen   Spiels”   um   die Vorherrschaft   in   Zentralasien,   bei   dem   die   damaligen   Großmächte   England   und   Russland   scheinbar   unmittelbar aufeinanderprallten,   dabei   jedoch   jede   direkte   Konfrontation   durch   die   Schaffung   von   Grenzen   und   Pufferzonen vermieden.   1979   marschierten   die   sowjetischen   Truppen      durch   diesen   Korridor   während   des   „kalten   Krieges“   in Afghanistan    ein    und    läuteten    nach    ihrem    Abzug    1989    dessen    Ende    ein.    Unmittelbar    danach    kämpften    die unabhängigen    Staaten    Zentralasiens    darum,    eine    Konstellation    zu    finden,    in    welcher    die    Macht    unter    den kämpfenden   Interessensgruppen   geteilt   werden   konnte,   in   der   neue   wirtschaftliche   Organisationsformen   getestet werden   konnten   und   in   der   eine   Vision   der   Eigenstaatlichkeit   außerhalb   der   ehemaligen   Sowjetunion   entwickelt werden   musste.   In   einigen   Fällen   führte   dies   zu   desaströsen   Ergebnissen   wie   dem   Bürgerkrieg   in   Tadschikistan. Die    in    diesem    Buch    angesprochene    Region    wurde    zudem    von    größeren    Naturkatastrophen    wie    Erdbeben,      Erdrutsch und Felsstürzen heimgesucht. Für   die   Pamir-Region   gilt   insbesondere   die   einleitende   Bemerkung   bezüglich   einer   nur   kurz   währenden Aufmerksamkeit.     Die    Autoren     einiger     Kapitel     dieses     Buches     betrachten     die     Nahtstelle     des     Pamir     aus unterschiedlichen   Blickwinkeln   und   versuchen   das   Augenmerk   des   Lesers   auf   einige   Gesichtspunkte   und   Themen zu   lenken,   die   für   ein   dauerhaftes   Interesse   an   dieser   Region   sorgen.   Die   Fallbeispiele   decken   einen   breiten Themenbereich   zwischen   der   Faszination   der   Erdwissenschaften   für   geologische   Besonderheiten   wie   die   eines Bergknoten   oder   das   hydraulische   Potential   des   vergletscherten   Pamirs   und   dessen   benachbarten   Bergketten   ab. Die    andere    Seite    des    Spektrums    lenkt    unsere    Aufmerksamkeit    auf    die    Anstrengungen    im    den    Bereichen Entwicklung   und   Humanität.   Die   Übergangsprobleme   nach   der   Unabhängigkeit   zwangen   die   ländliche   Bevölkerung in   Kirgistan   und   Tadschikistan   zur   Anpassung   an   sozioökonomische   Veränderungen.   Diese   werden   als   schlimm empfunden   und   scheinen   das   Leben   der   Leute   weitaus   mehr   zu   beinträchtigen   als   bislang   der   Klimawandel. Ähnliche    Wahrnehmungen    treffen    auch    auf    Nachbarländer    wie    beispielsweise    Pakistan    zu,    wo    erhebliche Veränderungen   in   der   politischen   Ökologie,   den   Entwicklungsstrategien   und   im   Besitz   an   Infrastruktur   das   Leben der Bergbewohner beeinträchtigen. Bei   der   der   Darstellung   der   Umbrüche   im   Pamir   stechen   zwei   Themen   besonders   ins   Auge:   Grenzland   und Weideland.   Der   Prozess   der   Grenzziehung   bei   gleichzeitiger   Verschiebung   der   Wichtigkeit   der   Grenze   –   zunächst offen,     später     absolut     dicht,     dann     wieder     durchlässig     oder     offen     –     fordern     unser     Verständnis     der grenzüberschreitenden   Kommunikation   und   des   Austausches,   von   Kooperation   und   Trennung,   und      bezüglich Zugehörigkeit   und   Migration.   Die   Weidewirtschaft   dagegen   besitzt   sowohl   eine   historische   Entwicklung   im   Rahmen der   grenzüberschreitenden   Mobilität,   ebenso   gut   aber   auch   im   Nomadentum   bei   geschlossenen   Grenzen.   Der gegenwärtige    Wandel    der    Lebensstile    und    -Bedingungen    zeigt    sich    in    der    Form        der    Weidewirtschaft,    dem Gebrauch   der   Ressourcen   und   dem   Naturschutz.   Internationale   und   nationale,   regionale   und   lokale   Interessen treffen   in   einer   vermeintlich   abgelegenen   Gebirgsgegend   aufeinander.   Abgeschiedenheit   ist   eine   Wahrnehmung, die    auf    unserer    Weltanschauung    basiert.    Sie    gründet    auf    unserer    Beurteilung    einer    mobilen    Lebensführung einerseits    und    Sesshaftigkeit    andererseits,    und    auf    unserer    disziplinären    Sicht    auf    die    Schwelle    zwischen Zentralasien   und   Südasien.   In      diesem   Buch   wird   der   Pamir   in   den   Mittelpunkt   gerückt,   und   wir   würden   damit   gerne das   Interesse   an   der   weiteren   Erforschung   dieser   Region   mit   ihrem   reichen   Kulturerbe   und   ihrer   faszinierenden Umwelt wecken.
Das Buch bietet   Aussagen auf der Basis aktueller empirischer Forschung
Ein umfassender Überblick einer selten besuchten Gebirgsregion        an der Nahtstelle zwischen Süd- und Zentralasien
Analysiert die Prozesse der Entwicklung anhand einer        Zusammenstellung von Fallstudien